Neues Jahr, neue Öffnungszeiten


1. Januar 2018

Das saisonale Zubehör ist verstaut, ein neues Jahr beginnt, maKULaTUR ändert die Öffnungszeiten:


Wir sind ab sofort
Dienstag - Freitag 10.00 - 18.00 Uhr
Samstag 10.00 - 16.00 Uhr
für Sie da.

Rascheln & Knistern


zum 24. Dezember 2017

Nun stieben alle wie die Schneehühner auseinander oder zueinander, und auch die Buchhändlerinnen verabschieden sich flugs, nach allen Seiten grüßend und fromme Wünsche ausstoßend, für unglaubliche drei Tage ins Privatere und suchen nahbei das Weite.

'Die hinter ihnen liegenden Fußstapfen waren jetzt nicht mehr lange sichtbar; denn die ungemeine Fülle des herabfallenden Schnees deckte sie bald zu, daß sie verschwanden. Der Schnee knisterte in seinem Falle nun auch nicht mehr in den Nadeln, sondern legte sich eilig und heimlich auf die weiße schon daliegende Decke nieder.[...]

Sie blieben noch ein wenig länger stehen, aber es meldete sich nichts, es war nicht ein einziger Laut, auch nicht der leiseste außer ihrem Atem zu vernehmen, ja in der Stille, die herrschte, war es, als sollten sie den Schnee hören, der auf ihre Wimpern fiel.'*

Den Freundinnen und Freunden unserer Buchhandlung wünschen wir friedliche Weihnachten und festen Boden unter den Füßen im neuen Jahr!


*) Adalbert Stifter, Der Heilige Abend/Bergkristall 1845/53


Arne Wesenberg

IM [UN]RUHESTAND


Buchvorstellung bei maKULaTUR


Mittwoch, dem 13. Dezember
ab 19.oo Uhr
Hüxstraße 87
23552 Lübeck

Gemeinsam mit dem Lübecker Gestalter und Fotografen Arne Wesenberg stoßen wir an auf seinen wunderbaren Fotoband, dessen Entstehen wir über längere Zeit mit Vergnügen verfolgt haben:

Arne Wesenberg. IM [UN]RUHESTAND
herausgegeben von Susanne Mayer, kürzlich erschienen im Verlag Kehrer, Heidelberg

Sie sind und ihr seid herzlich willkommen!


Arne Wesenberg hat mit seiner analogen Großformatkamera in einem Zeitraum von sieben Jahren mehr als 200 bekanntere und weniger bekannte Zeitgenossen in ganz Deutschland aufgesucht und porträtiert. Allen gemein ist, dass sie trotz ihres hohen Alters immer noch mitten in der Gesellschaft und im Berufsleben stehen - ob Handwerker, Künstler, Politiker, Verleger oder Schauspieler.

Arne Wesenberg (1974 in Stralsund geboren) studierte Kommunikationsdesign an der Lübecker Werkkunstschule und
Kunstgeschichte in Hamburg. Seit 2010 arbeitet er an seinem Fotoprojekt »Im UnRuhestand«. Von 2010 bis 2015 besuchte er in Berlin Fotoklassen der Ostkreuzschule - Schule für Fotografie und Gestaltung, u.a. bei Andreas Mühe, Thomas Meyer und Sven Marquardt. 2013 gewann Arne Wesenberg den Opus Fotografie-Preis und 2015 den IPOTY - International People Discovery of the Year 2015 in der Kategorie People, zudem war er 2016 Finalist beim Hellerau Photography-Award sowie beim Youmanity imAge Photography Award.

Manches könnte woanders sein, aber nichts wäre woanders so.


lubeca my reflection. Rückblick auf Lesung und Buchvorstellung


27.11.2017

Ein Buch zu Lübeck. In Bild und Wort. Gibt es nichts Leichteres?
Lübeck zum Thema nehmen heißt: sich aus etwas geschraubten, lieb gewonnenen Vorstellungen herauswinden, Anhaftungen eines wunderlichen, in vorauseilendem Gehorsam gern angenommenen Erbes. Für den Empfänglichen ist das eine sanfte Tortur. Keiner entrinnt dem morbiden Charme der Klischees, und eine Lust ist es ja andererseits, sie auf den Plan zu rufen; wer möchte das missen?

Kennen Sie das übrigens: Wenn ich einen beliebigen Text überfliege und mir darin das Wort Lücke ins Auge springt, lese ich „Lübeck“. Darin schlägt sich einerseits eine ungesunde Fixierung nieder, andererseits wirft die zwanghaft aufflammende Konjugation zwischen der Stadt und dem Schüttelwort mit jedem Mal ein Schlaglicht auf die Leerstellen, Zwischenräume und Breschen im geschlossenen Ensemble. Ich empfinde das als erleichternd.

Lücken und Brachen als verheißungsvoll wahrzunehmen, gelingt in gesteigertem Maß angesichts eines Modells, das sie nicht vorsieht. Angesichts einer Imago von Stadt, zugespitzt - eine steile Vorlage - auf die protestantische Silhouette; Kirchtürme begrenzen sie und zerren sie in die Höhe, und manchem will es erscheinen, als sei da noch heute eine unerbittliche Signatur in den Äther geschrieben, die nur das Abgesegnete gelten lässt. Aber ich bitte Sie. Das kann man doch keiner Stadt durchgehen lassen.

Schon gar nicht der Vaterstadt. Je paternalistischer das Modell, desto weniger. Solange es noch posiert. Eine Vaterstadt, die ihre Söhne klaglos verliert. Posthum werden sie dann zu Vätern und beglücken und bedrücken die Nachfolgenden. Manchen zieht es auf vermeintlichen Abwegen wie von Geisterhand nach München. Der Vater aber, das alte Haus, der ganze Komplex, stellt sich heraus, ist niedlich geworden, kindlich beinahe (um nicht zu sagen: lieblich). Was keiner hervorkitzelt, gibt er nicht her. Er muss angeknipst werden.

Thomas Elsners Kontrastmodell lockt den alten Mann aus dem Halbschatten und legt bloß, was der für sich behält.
Ihm gelingt es, das Gewundene, das jedes Bekenntnis zu Lübeck bedroht (und es ist eins), in Konturen zu gießen, ohne die Türme zu schleifen.

Manches könnte woanders sein, aber nichts wäre woanders so.

(bb, aus der Begrüßung)


Wir danken Thomas Elsner, Larissa Beham, Karl-Hermann Leukert und nicht zuletzt Ulrich Büning, dem Dielenhausherrn, für den gelungenen Abend, Andreas Elsner für seine schönen Fotos (eines siehe oben).

maKULaTOUR ins Dielenhaus

Lesung & Vernissage


lubeca my reflection
Fotografien von Thomas Elsner 2007 - 2017


Lesung:
Samstag, 25. 11. 2017
18.00 - 20.00 Uhr
maKULaTUR im Dielenhaus
Fleischhauerstraße 79,
23552 Lübeck

Vernissage:
Kunstraum M66
20.00 Uhr
Mühlenstraße 66
23552 Lübeck

Lübeck flimmert

Aufwachsen in den Lübecker 50er, 60er, 70er Jahren, sich wegdenken, weggehen, was werden, wachsen, sich zurückdenken, zwischendurch wiederkommen und hinsehen - welche Bilder von der Stadt bleiben hängen, welche drängen sich auf, welche verblassen und bleiben auf der Strecke zwischen Herkommen, Herumkommen und Wiederkommen? Was verfließt und verfärbt sich, welcher Sound mischt sich ein? Im Buchtitel klingt ein Song der britischen Rockband The Sisters of Mercy an - 'Lucretia My Reflection'. Ein süßes Lied ist das nicht.

Zwischen 2007 und 2017 geht Thomas Elsner den Spuren seiner jugendlichen Kamera- Streifzüge durch Lübeck aus verändertem Blickwinkel nach. Der sorgfältig gestaltete Band lubeca my reflection, soeben erschienen im Berliner DISTANZ-Verlag, enthält ein Vorwort von Björn Engholm, das Protokoll eines Gesprächs zwischen Frido Mann und Larissa Beham sowie Texte von Karl-Hermann Leukert und Ingo Siegmund.

Wir stellen das Buch vor:

Am 25. 11. 2017 liest Larissa Beham im Dielenhaus ihren Beitrag Lübeck als Los oder ein 'männliches' Echo - das Protokoll eines Dialogs mit Frido Mann über die Stadt seiner Vorväter. Karl Hermann Leukert liest seinen Text Im Bauch von Vineta.

Nach der Lesung geht es in den Kunstraum M66 zur Ausstellungseröffnung lubeca my reflection. Fotografien von Thomas Elsner 2007 -2017


THOMAS ELSNER (*1956 in Lübeck) gründete als Student das Independent-Magazin Elaste, das unter Kennern längst Kultstatus hat. Er lehrte an der Akademie Mode & Design München und leitet seit 1991 ein eigenes Studio für Artdirection, Design und Consulting in München, das sich auf die Entwicklung von internationalen Modekampagnen und auf Editorial Design konzentriert. Seit seinen beruflichen Anfängen arbeitete er immer wieder auch als Fotograf.

maKULaTOUR ins Dielenhaus


What is she doing there?
Gudrun Kenschner. Performancefotos


18. November 2017
19.00 Uhr
Dielenhaus
Fleischhauerstraße 79
23552 Lübeck

Eintritt frei, Spende erbeten

What is she doing there?
Die Performancekünstlerin Gudrun Kenschner. Eine Einstimmung mit wechselndem Instrumentarium

maKULaTUR lädt ein ins Dielenhaus und präsentiert:
Gudrun Kenschner, Performancefotos. Ein Künstlerbuch in zwei Folgen, aufgeblättert von der Künstlerin.

Stimme und Klavier: Susanne Wegener, Jazzmusikerin
Special Guest: Akira Ando, Cellist und Kontrabassist


Die Hamburger Performancekünstlerin Gudrun Kenschner kommentiert die öffentliche Ordnung, und das tut sie mit hochzivilisiertem Ungehorsam. Flüchtig und ungesehen besetzt sie Nischen im Stadtraum, bespielt sie mit Witz und Akkuratesse und entschwindet. Davon erzählt nur noch eine Spur auf dem Objektiv, das den Faden buchstäblich 'aufnimmt' und weiterreicht ans verspätete Publikum – den Betrachter der Aufnahme im Künstlerbuch.

Aber die Künstlerin ist auch eine Erzählerin. Was sich im Zusammenspiel mit der Jazzmusikerin Susanne Wegener und dem Kontrabassisten Akira Ando ereignet, trägt sich nur in dieser einen Vorstellung am 18. November um 19.00 Uhr im Dielenhaus zu!

 

ein Blick ins Schaufenster


20.Oktober 2017

Unser papierenes Monument zum Lobe des Handwerks: Seiten aus Jasper Morrisons Buch 'The Hard Life', erschienen 2017 im Lars Müller Verlag. Wir haben zum Thema auch einige andere schöne Neuerscheinungen zu bieten, z. B. EJ Osbornes Spoonmaker, Craft-Based Design, herausgegeben von Stefan Moritsch, Urban Potters von Katie Treggiden, Makers Ware von Wang Shaoqiang, Henri Focillons Lob der Hand, Birgitta de Vos' Out of Fashion oder auch - eine dickleibige Kulturgeschichte des Heimwerkens - Selbst ist der Mann von Jonathan Voges (siehe unsere Rubriken 'design' 'kunst & künste', 'leben').

Fritz Wutzdorff

* 5.02.1951 † 29.09.2017


2. Oktober 2017

Fritz Wutzdorff, geboren 1951 in Kiel, gestorben 2017.

Als wir im Januar 2013 unser 10jähriges Jubiläum feierten, begann es am späten Nachmittag zu schneien. Gäste aus Hamburg, schon unterwegs zu uns, riefen an und sagten ab – die Straßen zu glatt, der Schneefall zu heftig. Nicht so unser lieber Fritz Wutzdorff, exzellenter Radierer und Kupferdrucker, dazu ausgemachter Bücherfreund, begieriger Leser und regelmäßiger Gast in unserer Buchhandlung:

Er, dem die Krankheit längst verbot, sich weiterhin den giftigen Dämpfen seines Druckhandwerks auszusetzen, der längst auf Unterstützung seiner Atmung angewiesen war, erwiderte auf unseren Dank und das Erstaunen darüber, dass er die Anfahrt aus seinem Wohnort bei Cismar an der Ostsee auf sich genommen hatte, er wäre auch gekommen, wenn der Schnee einen Meter hoch gelegen hätte.

Fritz Wutzdorff ist tot. Er hat seiner über Jahre fortschreitenden Krankheit immer auch einen Wert abgewinnen können: dass er nicht mehr drucken konnte, habe ihn so viel Neues entdecken lassen, sein immer stärker eingeschränkter Bewegungsradius habe ihm Interessengebiete und Lektüren beschert, die sich ihm ohne die Krankheit nicht eröffnet hätten. Er meinte es ernst, wir haben ihn sehr dafür bewundert und werden ihn immer in Erinnerung behalten.