2. Hansekulturfestival Lübeck


8. bis 10. Juni 2018, diesmal in der südöstlichen Altstadt

Unter dem bunt bewimpelten und beschirmten Himmel über dem Aegidienviertel, unter Gießkannen, Lampenschirmen, Kronleuchtern und flatternder Wäsche (gut gemacht, Carsten Albrecht!) stach maKULaTUR in See - mit allem an Deck, was der unergründliche Schiffsbauch an maritimem Lesestoff hergab. Ahoi, auf ein nächstes Mal!

Die 15-Jahre-Jubelfeier

am 17. März 2018


Fotocollage 15 Jahre maKULaTUR

Einmal mehr hat sich an uns das Wunder der Prokrastination ereignet. Fünfzehn sind wir seit Dezember. Das Schöne am Hinauszögern ist ja die intensive Erfahrung, dass da noch Zeit vor einem liegt, in die man was hineinschieben kann.

„Wer heute eine Buchhandlung gründet“, hat Jenny Erpenbeck 2016 bei der Preisverleihung im Heidelberger Theater von der Bühne herab gesagt, und es war auf uns gemünzt, „kann nicht ganz bei Trost sein“. Heute ist demnach kein Tag, es ist eine Spanne. Trost suchen wir nicht, können auch keinen spenden, schon gar nicht im Hier und Jetzt, für das wir kein ausgeprägtes Talent haben, und 15 Jahre sind noch lange kein Grund zur Aufregung.

Wir sind deshalb besonders froh, dass wir die lakonische Stimme Hanne Römers gewonnen haben, deren aufzeichnensysteme auch nicht von Anfang und Ende sprechen. Und auch das fünfzehnte Jahr durchmessen haben.

Der Leser (der/ die Lesende) denkt vielleicht an die „Aufschreibesysteme“ des Kulturwissenschaftlers Friedrich Kittler. Eingängiges Zitat: „So gipfeln denn alle Sünden des klassischen Aufschreibesystems im Deutschaufsatz.“ Von solcher Sünde ist aufzeichnensysteme zweifelsfrei frei. Oder büßt sie ab. Und das zu unserem gepflegten Vergnügen.

Wir danken Hanne Römer für ihren konzentrierten poetischen Vortrag und für die Wiederbelebung der Schreibmaschine im sprachanalytischen Einzelgespräch, unseren lieben Gästen für die vielen Blumen, Gaben, Glückwünsche und Treuebeweise, Antoinette Moore und allen KöchInnen (Kochenden, Backenden), die feinste Speisen beitrugen, Klaus Giebel für die Bilder des Abends (s. oben, bei Klick auch größer) und allen zusammen für ein gelungenes Fest!



15 Jahre maKULaTUR

15 Jahre .aufzeichnensysteme


Samstag, 17.03.2018
ab 19.00 Uhr


mit Hanne Römer, Wien (.aufzeichnensysteme. Schreib- und Zeichenarbeiten an der Schnittstelle von Literatur/Bildender Kunst)


rechts zu sehen:
"Hirsch" (Abb.)
Handzeichnung (Feder/Tusche),
Schreibmaschine, Papiersackerl,
15 x 10 cm,
Jahresgabe 2017 Oberösterreichischer Kunstverein

Liebe Freundinnen und Freunde unserer Buchhandlung,

dem 875. Stadtgeburtstag halten wir mit vergleichsweise schwach geschwellter Brust unseren 15. Jubeltag entgegen.

Wir möchten das entsprechend verhalten feiern mit Ihnen oder euch und mit Hanne Römer / .aufzeichnensysteme / Wien, deren work in progress an der Schnittstelle von Literatur, visueller und radiophoner Kunst eben dasselbe juvenile Alter erreicht hat.

Die Autorin trotzt der Witterung und trägt vor aus ihrem jüngsten Buch ‚IM GRÜNEN‘, worin sie – und wir sagen es gleich – ‚eine fluide Form der Kurzschrift entwickelt, die Abgründe der Gegenwart nicht durch vorschnelle Sinnstiftung kaschiert‘ (Paul Pechmann, Ritter Verlag Klagenfurt).

Hört hört! Kommt, feiert mit uns juvenil und fluid!


IM GRÜNEN (Schaufenster)


16. März 2018

draußen schneit's, drinnen grünt's!

Neues Jahr, neue Öffnungszeiten


1. Januar 2018

Das saisonale Zubehör ist verstaut, ein neues Jahr beginnt, maKULaTUR ändert die Öffnungszeiten:


Wir sind ab sofort
Dienstag - Freitag 10.00 - 18.00 Uhr
Samstag 10.00 - 16.00 Uhr
für Sie da.

Rascheln & Knistern


zum 24. Dezember 2017

Nun stieben alle wie die Schneehühner auseinander oder zueinander, und auch die Buchhändlerinnen verabschieden sich flugs, nach allen Seiten grüßend und fromme Wünsche ausstoßend, für unglaubliche drei Tage ins Privatere und suchen nahbei das Weite.

'Die hinter ihnen liegenden Fußstapfen waren jetzt nicht mehr lange sichtbar; denn die ungemeine Fülle des herabfallenden Schnees deckte sie bald zu, daß sie verschwanden. Der Schnee knisterte in seinem Falle nun auch nicht mehr in den Nadeln, sondern legte sich eilig und heimlich auf die weiße schon daliegende Decke nieder.[...]

Sie blieben noch ein wenig länger stehen, aber es meldete sich nichts, es war nicht ein einziger Laut, auch nicht der leiseste außer ihrem Atem zu vernehmen, ja in der Stille, die herrschte, war es, als sollten sie den Schnee hören, der auf ihre Wimpern fiel.'*

Den Freundinnen und Freunden unserer Buchhandlung wünschen wir friedliche Weihnachten und festen Boden unter den Füßen im neuen Jahr!


*) Adalbert Stifter, Der Heilige Abend/Bergkristall 1845/53


Arne Wesenberg

IM [UN]RUHESTAND


Buchvorstellung bei maKULaTUR


Mittwoch, dem 13. Dezember
ab 19.oo Uhr
Hüxstraße 87
23552 Lübeck

Gemeinsam mit dem Lübecker Gestalter und Fotografen Arne Wesenberg stoßen wir an auf seinen wunderbaren Fotoband, dessen Entstehen wir über längere Zeit mit Vergnügen verfolgt haben:

Arne Wesenberg. IM [UN]RUHESTAND
herausgegeben von Susanne Mayer, kürzlich erschienen im Verlag Kehrer, Heidelberg

Sie sind und ihr seid herzlich willkommen!


Arne Wesenberg hat mit seiner analogen Großformatkamera in einem Zeitraum von sieben Jahren mehr als 200 bekanntere und weniger bekannte Zeitgenossen in ganz Deutschland aufgesucht und porträtiert. Allen gemein ist, dass sie trotz ihres hohen Alters immer noch mitten in der Gesellschaft und im Berufsleben stehen - ob Handwerker, Künstler, Politiker, Verleger oder Schauspieler.

Arne Wesenberg (1974 in Stralsund geboren) studierte Kommunikationsdesign an der Lübecker Werkkunstschule und
Kunstgeschichte in Hamburg. Seit 2010 arbeitet er an seinem Fotoprojekt »Im UnRuhestand«. Von 2010 bis 2015 besuchte er in Berlin Fotoklassen der Ostkreuzschule - Schule für Fotografie und Gestaltung, u.a. bei Andreas Mühe, Thomas Meyer und Sven Marquardt. 2013 gewann Arne Wesenberg den Opus Fotografie-Preis und 2015 den IPOTY - International People Discovery of the Year 2015 in der Kategorie People, zudem war er 2016 Finalist beim Hellerau Photography-Award sowie beim Youmanity imAge Photography Award.

Manches könnte woanders sein, aber nichts wäre woanders so.


lubeca my reflection. Rückblick auf Lesung und Buchvorstellung


27.11.2017

Ein Buch zu Lübeck. In Bild und Wort. Gibt es nichts Leichteres?
Lübeck zum Thema nehmen heißt: sich aus etwas geschraubten, lieb gewonnenen Vorstellungen herauswinden, Anhaftungen eines wunderlichen, in vorauseilendem Gehorsam gern angenommenen Erbes. Für den Empfänglichen ist das eine sanfte Tortur. Keiner entrinnt dem morbiden Charme der Klischees, und eine Lust ist es ja andererseits, sie auf den Plan zu rufen; wer möchte das missen?

Kennen Sie das übrigens: Wenn ich einen beliebigen Text überfliege und mir darin das Wort Lücke ins Auge springt, lese ich „Lübeck“. Darin schlägt sich einerseits eine ungesunde Fixierung nieder, andererseits wirft die zwanghaft aufflammende Konjugation zwischen der Stadt und dem Schüttelwort mit jedem Mal ein Schlaglicht auf die Leerstellen, Zwischenräume und Breschen im geschlossenen Ensemble. Ich empfinde das als erleichternd.

Lücken und Brachen als verheißungsvoll wahrzunehmen, gelingt in gesteigertem Maß angesichts eines Modells, das sie nicht vorsieht. Angesichts einer Imago von Stadt, zugespitzt - eine steile Vorlage - auf die protestantische Silhouette; Kirchtürme begrenzen sie und zerren sie in die Höhe, und manchem will es erscheinen, als sei da noch heute eine unerbittliche Signatur in den Äther geschrieben, die nur das Abgesegnete gelten lässt. Aber ich bitte Sie. Das kann man doch keiner Stadt durchgehen lassen.

Schon gar nicht der Vaterstadt. Je paternalistischer das Modell, desto weniger. Solange es noch posiert. Eine Vaterstadt, die ihre Söhne klaglos verliert. Posthum werden sie dann zu Vätern und beglücken und bedrücken die Nachfolgenden. Manchen zieht es auf vermeintlichen Abwegen wie von Geisterhand nach München. Der Vater aber, das alte Haus, der ganze Komplex, stellt sich heraus, ist niedlich geworden, kindlich beinahe (um nicht zu sagen: lieblich). Was keiner hervorkitzelt, gibt er nicht her. Er muss angeknipst werden.

Thomas Elsners Kontrastmodell lockt den alten Mann aus dem Halbschatten und legt bloß, was der für sich behält.
Ihm gelingt es, das Gewundene, das jedes Bekenntnis zu Lübeck bedroht (und es ist eins), in Konturen zu gießen, ohne die Türme zu schleifen.

Manches könnte woanders sein, aber nichts wäre woanders so.

(bb, aus der Begrüßung)


Wir danken Thomas Elsner, Larissa Beham, Karl-Hermann Leukert und nicht zuletzt Ulrich Büning, dem Dielenhausherrn, für den gelungenen Abend, Andreas Elsner für seine schönen Fotos (eines siehe oben).