Überraschungen


14.06.2017

Herr G., Fotograf und Kunde seit jeher, wies uns am 7. Juni auf einen Beitrag im Zeitmagazin-Newsletter hin, der ihm, der gerade unser Schaufenster für eben diesen Newsletter (Reihe 'Meine Lieblingsbuchhandlung') fotografieren wollte, zuvorgekommen sei. Darin, illustriert mit einem Schnappschuss unseres Fensters, eröffnet Zeitmagazin-Leserin Claudia Diers, warum unsere Buchhandlung ihr Favorit sei: "Ein Besuch dort ist immer gefährlich, weil ich am liebsten den ganzen Laden mitnehmen würde."

Uns freuen beide Beiträge - der zuvorgekommene und der durch den ihm zuvorgekommenen vorerst nicht zustandegekommene Beitrag. Und Herrn G. möchten wir ermuntern, jetzt unser neues Schaufenster mit den schönen Badenden des japanischen Holzbildhauers Koji Tanada (geb. 1968 in Hyogo, lebt und arbeitet in Kanagawa) aufs Korn zu nehmen und uns zuzusenden. Wir werden mit Vergnügen unser Foto (s. o., selbstgeknipst) durch seines ersetzen.


Was noch gesagt sein soll: Gleichermaßen erfreut zur Kenntnis genommen haben wir letztes Jahr im August die Ansicht unserer spätsommerlichen Gemüse-Hängung (Maarten Kolk: Doorgeschoten) von Olaf Lewitz nebst schönen Komplimenten, die uns als neue Google-Bebilderung überraschte und geblieben ist. Merci, O.L.

Gerät & Gefieder (der Frühling kehrt wieder)


Mai 2017

Richard Tuttle? Natürlich nicht. Jean Tinguely? Auch nicht. Andreas Slominski vielleicht? Alles falsch!

Ein zweckdienlicher Apparat, eine Vogelscheuche. Die Wetterfahne richtet den Propeller zum Wind, und sobald er sich dreht, wickelt sich eine Schnur, an deren Enden je eine Holzkugel befestigt ist, derart um die Achse, dass die Kugeln einen Trommelwirbel auf dem Boden des umgekehrten Emaillebechers entfachen, vermutlich laut genug, um es Vögeln und anderen Nutznießern der Feldfrüchte ungemütlich zu machen. So grob die Teile wirken, so fein läuft der Mechanismus.

Die kunstvoll-listige Konstruktion findet sich unter vielen wunderbar schlichten Alltagsgegenständen des ländlichen Portugal in Jasper Morrisons Buch 'The Hard Life' , eine wahre Fundgrube, näher beschrieben in unserer Rubrik 'Design'.

Aber Städter wie Naturfreunde wollen Vögel nicht verscheuchen, sondern sie beobachten, ihnen lauschen, auch von ihnen lesen. Und da wird ihnen in diesem Frühjahr allerhand Neues geboten: Von Jürgen u. Thomas Roths 'Kritik der Vögel' (Blumenbar) über Peter Krauss' 'Singt der Vogel, ruft er oder schlägt er?' (Matthes & Seitz in der Reihe 'Naturkunden'), Helen Macdonalds 'Falke', Thomas Schmidts 'Was piept und fliegt in Hamburg?' (ein vogelkundlicher Stadtführer, erschienen im Junius-Verlag und nicht nur für Hamburger interessant), Jennifer Ackermans 'Die Genies der Lüfte' bei Rowohlt bis hin zu Bernd Heinrichs 'Der Heimatinstinkt' über das Geheimnis nicht nur der Vogelwanderung, gleichfalls als ein Band der 'Naturkunden' bei Matthes & Seitz erschienen.

Weihnachtsbotanik


zum 24. Dezember 2016

'Dieses Gewächs...bringt Vorteile in vielerlei Hinsicht, will sagen, zunächst gegen Teufelskrankheiten und gegen Schlangen, und gegen wilde Tiere, und gegen Gifte, und für verschiedene Wünsche, und für Missgunst, und für Schrecken, und damit du der Gnade teilhaftig wirst, und damit du, falls du diese Pflanze mit dir führst, zu Wohlstand gelangst und große Anziehungskraft ausübst.'

Mit diesem Zitat aus einem angelsächsischen Heilpflanzenbuch des 11. Jahrhunderts wünschen wir den Freundinnen und Freunden unserer Buchhandlung ein zauberhaftes Weihnachtsfest und ein Jahr glücklicher Fügungen, freudiger Überraschungen und segensreicher Einflüsse.

(Botanische Illustration RG maKULaTUR)

maKULaTUR lädt zur schwedisch/deutschen Autorenlesung


Ann-Marie Ljungberg:
Mörker, stanna hos mig.
Dunkelheit, bleib bei mir.


Mittwoch, 23. November 2016
Dielenhaus, Fleischhauerstr. 79
20 Uhr

Liebe Freundinnen und Freunde unserer Buchhandlung,

diesmal möchten wir Ihnen ein verschattetes Kapitel der jüngeren schwedischen Geschichte vorstellen.
Wir laden herzlich ein zur

Autorenlesung mit Ann-Marie Ljungberg:
Dunkelheit, bleib bei mir.

Die Autorin liest aus dem schwedischen Original 'Mörker, stanna hos mig', Stockholm 2009, ihr deutscher Verleger Stefan Weidle aus der 2016 erschienenen Übersetzung von Eva Scharenberg


Schweden im Frühjahr 1940. Finnland und die Sowjetunion befinden sich in der letzten Phase des Winterkriegs. Während die schwedische Regierung auf Neutralität besteht, wünschen sich große Teile der Bevölkerung ein aktives Eingreifen. Im ganzen Land brodelt der Antikommunismus, bis er sich wenige Tage vor der Niederlage der Finnen gegen die Rote Armee im größten terroristischen Attentat der schwedischen Geschichte entlädt: Am 3. März sprengt eine Gruppe von Männern das Gebäude der sozialistischen Zeitung Norrskensflamman in Luleå nahe der finnischen Grenze in die Luft, mehrere Menschen sterben bei dem Anschlag.

Am Exempel der Stadt Luleå verdichtet sich wie im Brennglas die Spaltung der schwedischen Gesellschaft in ein traditionell mit Deutschland sympathisierendes Bürgertum und eine breite Arbeiterschaft von Sozialdemokraten und Kommunisten.

Ann-Marie Ljundberg entwickelt aus der Perspektive des verurteilten Journalisten Paul Wilhelmsson ein Psychogramm der Tätergruppe. Ausgehend vom Gerichtsprozeß kreisen Rückblicke und Zeitsprünge die Ereignisse erst weitläufig, dann in immer kürzeren Abständen ein. Das sukzessive Abtauchen in den Tunnel des Terrors verändert die Dynamik innerhalb der Gruppe, bis die Erzählung in der Nacht des Anschlags kulminiert.


Ann-Marie Ljungberg, geb. 1964 in Haparanda nahe Luleå, lebt in Göteborg. Für ihren Roman 'Simone de Beauvoirs hjärta' wurde sie 2005 für den Augustpriset nominiert, den renommiertesten schwedischen Literaturpreis. Den auf Fakten und Recherchen gegründeten Roman 'Mörker, stanna hos mig' hat OLa Larsmo, Präsident des schwedischen PEN, als besten Beitrag zum Zweiten Weltkrieg in der schwedischen Literatur gelobt.


Wir verbinden die Lesung mit einer Vorstellung des Bonner Weidle Verlags.

Karl Braune. Buchpremiere im Dielenhaus

16. November 2016


mit dem JUNIUS-Verleger Steffen Hermann, dem Herausgeber Jan Zimmermann und Jürgen Braune, dem Sohn des Fotografen.

Der Ton macht die Musik; Karl Braunes Dia-Vorführungen vor der Lübecker Photographischen Gesellschaft lebten vom Ton in besonderem Maße. Die sonor vorgetragene Nennung des Bildmotivs initiierte als alleiniger Wortbeitrag jeweils ausgedehnte Phasen der gemeinsamen vertiefenden Betrachtung, musikalisch stimmungsvoll untermalt.

Fast sah es so aus, als sollte uns dieser synästhetische Genuss versagt bleiben (siehe stummes Bild). Da aber erhob sich, das zeitweise leere Rechteck der Leinwand füllend, im silbern melierten Hemd wie ein Phönix der Überraschungsgast Jürgen Braune aus der Masse (weit über hundert waren gekommen) und gab - ohne Jacket zwar, wie er bedauerte, doch in schimmernder Rüstung und mit einem Organ ausgestattet, das des Mikrophons spottete - klangvoll Anekdotisches zum Besten, bis die Stimme des Vaters aus der Originaltonspur befreit ward.


Nachtrag 19. Dezember: Die erste Auflage des Buches ist nach nur vier Wochen vergriffen; bis es im Nachdruck erscheint, kursieren bei uns noch Exemplare.

Karl Braune: Lübeck und Travemünde

Fotografien 1930 - 1965


maKULaTUR lädt ein zur Buchvorstellung mit Jan Zimmermann und dem Verleger Steffen Herrmann


Dienstag 15. November 19 Uhr
im Dielenhaus, Fleischhauerstraße 79
Eintritt frei

Liebe Freundinnen und Freunde unserer Buchhandlung,

was längst einer sorgfältigen Veröffentlichung harrte, bringt der Historiker und Fotohistoriker Jan Zimmermann in glücklicher Verbindung mit dem Hamburger Junius Verlag ans Licht: den fotografischen Nachlass Karl Braunes und damit ein überaus lebensnahes Bild Lübecks.

Karl Braune (1896-1971) durchstreifte Lübeck und Travemünde schon als Jugendlicher mit der Kamera.
Dem späteren Gerichtsbeamten, der nie als professioneller Fotograf gearbeitet hat, gelang es über ein halbes Jahrhundert hinweg, die Stadt, ihre Bauten und Bewohner immer wieder auf bis dahin ungesehene Weise in Szene zu setzen. Das ruhige Bild der Altstadt in der Zwischenkriegszeit, Detailaufnahmen von den Folgen der Bombennacht 1942 und ein sachlicher Blick auf das Lübeck der Wirtschaftswunderzeit verbinden sich zu einem vielfältigen Porträt der Hansestadt

Der Bildband zeigt eine große Auswahl aus dem umfangreichen Nachlass Karl Braunes, der zahlreiche Glasnegative, frühe Farbdias und Schwarzweißfilme enthält. In hochwertiger Ausstattung wird so ein herausragendes fotografisches Lebenswerk erstmals im Zusammenhang und in Buchform zugänglich gemacht.

Wir laden herzlich ein zur Buchvorstellung.
Jan Zimmermann wird projizierte Bilder erläutern und ihnen Originalkommentare Karl Braunes vom Tonband zur Seite stellen.

Preisfeier


am 29.10.2016
ab 20.00 Uhr

bei maKULaTUR

Die Auszeichnung wollte gefeiert werden. maKULaTUR lud zu Wein, Wolkenkuckucksheim-Kostproben und Gesang ('Drunken Angel' = Tilo Strauß + Frank Högner), und wir hatten unseren Spaß mit einem ganzen Schwung herausragender Freundinnen und Freunde unserer Buchhandlung.

Ein großes Vergnügen!


Mit Angela Steidele in der Königstraße am 19.10.2016

Einmal mehr konstatieren wir mit Dankbarkeit, dass Dr. phil. Angela Steidele der Wissenschaft verloren gegangen ist. Indes ist die Wissenschaft der Schriftstellerin Angela Steidele nicht abhanden gekommen, so wie man den Boxer zwar aus dem Ghetto bekommt, das Ghetto nur nicht aus dem Boxer, oder wie man den Ludwig wohl aus dem Schloss bekommt, das Schloss hinwiederum nicht aus dem Ludwig und letztlich auch nicht den Ludwig aus
seinen Schlössern.

Die empirische Wissenschaft unterm mit schriftstellerischer Präzision durchaus lustvoll geführten Seziermesser, gesehen im erweiterten Speculum exakter Geisteswissenschaft: leichthändig jongliert die Autorin - hier zu sehen im anschließenden Gespräch mit Cornelius Borck - mit einem verblüffenden Instrumentarium. Kein Ball, den sie nicht zurückspielt. Das Hirn, keineswegs unbeteiligt, blieb derweil unbeirrt an seinem Platze.

Es war uns und dem Publikum von der ersten bis zur leider letzten Minute ein großes Vergnügen!


(Fotos: Thorsten Wulff - anklicken, so sieht man mehr! Bearb.: RG. TW sieht's ihr nach)