Karl Braune. Buchpremiere im Dielenhaus

16. November 2016


mit dem JUNIUS-Verleger Steffen Hermann, dem Herausgeber Jan Zimmermann und Jürgen Braune, dem Sohn des Fotografen.

Der Ton macht die Musik; Karl Braunes Dia-Vorführungen vor der Lübecker Photographischen Gesellschaft lebten vom Ton in besonderem Maße. Die sonor vorgetragene Nennung des Bildmotivs initiierte als alleiniger Wortbeitrag jeweils ausgedehnte Phasen der gemeinsamen vertiefenden Betrachtung, musikalisch stimmungsvoll untermalt.

Fast sah es so aus, als sollte uns dieser synästhetische Genuss versagt bleiben (siehe stummes Bild). Da aber erhob sich, das zeitweise leere Rechteck der Leinwand füllend, im silbern melierten Hemd wie ein Phönix der Überraschungsgast Jürgen Braune aus der Masse (weit über hundert waren gekommen) und gab - ohne Jacket zwar, wie er bedauerte, doch in schimmernder Rüstung und mit einem Organ ausgestattet, das des Mikrophons spottete - klangvoll Anekdotisches zum Besten, bis die Stimme des Vaters aus der Originaltonspur befreit ward.


Nachtrag 19. Dezember: Die erste Auflage des Buches ist nach nur vier Wochen vergriffen; bis es im Nachdruck erscheint, kursieren bei uns noch Exemplare.

Karl Braune: Lübeck und Travemünde

Fotografien 1930 - 1965


maKULaTUR lädt ein zur Buchvorstellung mit Jan Zimmermann und dem Verleger Steffen Herrmann


Dienstag 15. November 19 Uhr
im Dielenhaus, Fleischhauerstraße 79
Eintritt frei

Liebe Freundinnen und Freunde unserer Buchhandlung,

was längst einer sorgfältigen Veröffentlichung harrte, bringt der Historiker und Fotohistoriker Jan Zimmermann in glücklicher Verbindung mit dem Hamburger Junius Verlag ans Licht: den fotografischen Nachlass Karl Braunes und damit ein überaus lebensnahes Bild Lübecks.

Karl Braune (1896-1971) durchstreifte Lübeck und Travemünde schon als Jugendlicher mit der Kamera.
Dem späteren Gerichtsbeamten, der nie als professioneller Fotograf gearbeitet hat, gelang es über ein halbes Jahrhundert hinweg, die Stadt, ihre Bauten und Bewohner immer wieder auf bis dahin ungesehene Weise in Szene zu setzen. Das ruhige Bild der Altstadt in der Zwischenkriegszeit, Detailaufnahmen von den Folgen der Bombennacht 1942 und ein sachlicher Blick auf das Lübeck der Wirtschaftswunderzeit verbinden sich zu einem vielfältigen Porträt der Hansestadt

Der Bildband zeigt eine große Auswahl aus dem umfangreichen Nachlass Karl Braunes, der zahlreiche Glasnegative, frühe Farbdias und Schwarzweißfilme enthält. In hochwertiger Ausstattung wird so ein herausragendes fotografisches Lebenswerk erstmals im Zusammenhang und in Buchform zugänglich gemacht.

Wir laden herzlich ein zur Buchvorstellung.
Jan Zimmermann wird projizierte Bilder erläutern und ihnen Originalkommentare Karl Braunes vom Tonband zur Seite stellen.

Preisfeier


am 29.10.2016
ab 20.00 Uhr

bei maKULaTUR

Die Auszeichnung wollte gefeiert werden. maKULaTUR lud zu Wein, Wolkenkuckucksheim-Kostproben und Gesang ('Drunken Angel' = Tilo Strauß + Frank Högner), und wir hatten unseren Spaß mit einem ganzen Schwung herausragender Freundinnen und Freunde unserer Buchhandlung.

Ein großes Vergnügen!


Mit Angela Steidele in der Königstraße am 19.10.2016

Einmal mehr konstatieren wir mit Dankbarkeit, dass Dr. phil. Angela Steidele der Wissenschaft verloren gegangen ist. Indes ist die Wissenschaft der Schriftstellerin Angela Steidele nicht abhanden gekommen, so wie man den Boxer zwar aus dem Ghetto bekommt, das Ghetto nur nicht aus dem Boxer, oder wie man den Ludwig wohl aus dem Schloss bekommt, das Schloss hinwiederum nicht aus dem Ludwig und letztlich auch nicht den Ludwig aus
seinen Schlössern.

Die empirische Wissenschaft unterm mit schriftstellerischer Präzision durchaus lustvoll geführten Seziermesser, gesehen im erweiterten Speculum exakter Geisteswissenschaft: leichthändig jongliert die Autorin - hier zu sehen im anschließenden Gespräch mit Cornelius Borck - mit einem verblüffenden Instrumentarium. Kein Ball, den sie nicht zurückspielt. Das Hirn, keineswegs unbeteiligt, blieb derweil unbeirrt an seinem Platze.

Es war uns und dem Publikum von der ersten bis zur leider letzten Minute ein großes Vergnügen!


(Fotos: Thorsten Wulff - anklicken, so sieht man mehr! Bearb.: RG. TW sieht's ihr nach)

"Lassen wir ihr Hirn derweil noch an seinem Platze."


Lesung und Gespräch mit Angela Steidele über ihren Roman Rosenstengel. Ein Manuskript aus dem Umfeld Ludwigs II.


Mittwoch, 19. Oktober 2016
Ort: IMGWF Königstr. 42
23552 Lübeck
19.00 Uhr

Eintritt frei


Eine Veranstaltung in Kooperation mit dem Institut für Medizingeschichte und Wissenschaftsforschung

Im Dezember 2015 las Angela Steidele bei uns aus ihrem preisgekrönten Roman ‚Rosenstengel‘. Nicht genug: auf unser Drängen hin besucht sie uns wieder und schält diesmal das psychiatriegeschichtlich Pikante heraus.

München 1884. Während der junge Irrenarzt Franz Carl Müller sich im obligatorischen Austausch mit seinen Mentoren von Gudden und Westphal als Leibarzt des geistig verwirrten Bruders Ludwigs II. bewährt, bereitet er unwissentlich das irrenärztliche Gutachten zur Entmündigung des bayerischen Märchenkönigs vor.

Müllers Steckenpferd, eine Forschungsarbeit am Fall der Catharina Linck, die um 1700 unter dem Namen Anastasius Rosenstengel als Prophet umherzog und für ihr erfundenes Leben schließlich zum Tode verurteilt wurde, involviert ihn im Gespann mit Ludwig in die Vorstellungswelten pietistischer Kreise. Um der Zuspitzung willen verhehlen wir hier das raffinierte Webmuster dieses Briefromans mitsamt seinen virtuos die Sprachgewohnheiten des frühen 18. wie des späten 19. Jahrhunderts imitierenden Erzählebenen:

Für das Kolloquium im Institut für Medizingeschichte und Wissenschaftsforschung isoliert Angela Steidele das ärztliche Personal aus dem komplexen Geschehen und beleuchtet anhand des leidenschaftlichen, teils maliziösen Schriftwechsels zwischen den konkurrierenden Hirnforschern und Irrenärzten Bernhard von Gudden, Paul Julius Westphal (= Paul Julius Möbius & Carl Westphal) und Franz Carl Müller - über die neumodische »zwangfreie Behandlung« versus effektives »Siegburger Siegel«, über die »conträre Sexualempfindung« oder die »Krankheit Weib« - ein trauriges, krudes und skurriles Stück Psychiatriegeschichte.

Es darf laut gedacht und gelacht werden!

 

Deutscher Buchhandlungspreis 2016


Preisverleihung in Heidelberg


5. Oktober 2016

Das war eine gelungene Überraschung: Eine Prämierung durften wir erwarten, als wir zur Preisverleihung nach Heidelberg reisten. Aber uns in der Kategorie 'Besonders herausragende Buchhandlungen' wiederzufinden? Welche Freude!

Jenny Erpenbeck, der unlängst hier in Lübeck der Thomas-Mann-Preis verliehen wurde, sagte in ihrer Laudatio:

'Auf jeden Fall, da sind wir uns wohl einig, ist Lesen eine ganz besondere Mischung aus Weltflucht und Weltinteresse – und diese Mischung begegnet uns im Geschäft des Bücherverkaufens wieder.

Wir alle wissen, dass jemand, der eine Buchhandlung aufmacht, nicht ganz bei Trost sein kann, geschäftlich gesehen. Es gibt Dinge, die sich leichter verkaufen lassen und mit denen deutlich mehr Gewinn zu machen ist. Der Anreiz des Gewinnmachens, der unsere Gesellschaft strukturell zusammenhält, ist nicht das, worum es beim Bücherverkaufen geht, zumindest nicht die Hauptsache. In diesem Sinne handelt es sich um ein bewusstes Pfeifen auf die Welt, die unsere heißt, hier, im Westen Europas. Gleichzeitig hat das Geschäft des Bücherverkaufens mehr als die meisten anderen Geschäfte damit zu tun, die eigene Begeisterung zu teilen, in den Raum, der sich einem selbst aufgetan hat, auch andere eintreten zu lassen. Bücherverkaufen ist so nicht nur eine per se gastfreundliche Profession, sondern auch ein Berufszweig, der vom gemeinsamen Interesse an der Welt lebt.

Wir zeichnen heute fünf Buchhandlungen aus, die sich in besonderer Weise um diese Art der Gastfreundlichkeit, um diese besondere Art des Interesses an der Welt verdient gemacht haben.

maKULaTUR ist eine Lübecker Buchhandlung, die sich dem Schönen verschrieben hat. Kinderstube und erstes Erprobungsfeld der beiden Inhaberinnen war der Bücherbogen am Berliner Savignyplatz, sicher ein Ausgangspunkt auf höchstem Niveau. In der Lübecker maKULaTUR aber gibt es neben Kunst- und Bildbänden auch sorgfältig ausgewählte belletristische und philosophische Literatur, und darüber hinaus, trotz der bei 55 m² durchaus beschränkten Räumlichkeit, sogar regelmäßig Musik- und Wortkunst-Veranstaltungen – aufgezeichnet und anzusehen in einem eigens gegründeten Internet-Kanal mit dem originellen Namen »Wolkenkuckucksheim«. Makulatur erreicht so branchenübergeifend ein junges, aufgeschlossenes Publikum und wirkt in einer Welt, die in vielerlei Hinsicht auf den kleinsten gemeinsamen Nenner, auf Verflachung der Urteilskraft, auf den sogenannten mainstream abzielt, als Leuchtturm für Nebenwege. Die Jury war sich darin einig, diesen Schleswig-Holsteiner Leuchtturm, der, wie es Leuchttürme so an sich haben, einsam dasteht, auszuzeichnen und mit einer ordentlichen finanziellen Beihilfe zu unterstützen.'

Ihre Lobrede auf die vier weiteren als besonders herausragend prämierten Buchhandlungen, - Klaus Bittner in Köln, die Connewitzer Verlagsbuchhandlung in Leipzig, Bindernagel in Butzbach und Mahr in Langenau - ist unter https://www.deutscher-buchhandlungspreis.de/laudatio-kategorie-besonders-herausragende-buchhandlungen-jenny-erpenbeck/ nachzulesen! Wir befinden uns in allerbester Gesellschaft!

Festakt in Heidelberg


3. Oktober 2016

Allen Lesern und Bücherfreunden, die unsere Buchhandlung schätzen, mit Leben füllen und erhalten, sei gesagt: Auch hier wird noch gefeiert!


maKULaTUR bleibt vom 4. bis 6. Oktober 2016 geschlossen.

Tee mit Svenja Leiber


18.08.2016

Svenja Leiber, die im März 2015 bei uns aus ihrem Roman 'Das letzte Land' las, hat unter der unregelmäßig erscheinenden Börsenblatt-Rubrik 'Autoren über ihre Lieblingsbuchhandlung' einen so herzerwärmenden Artikel über maKULaTUR geschrieben, dass wir nicht umhin können, ihn hier zugänglich zu machen:

https://www.boersenblatt.net/artikel-die_lieblingsbuchhandlung_der_autorin_svenja_leiber.1231484.html

Herzlichen Dank, Svenja Leiber!