The Anatomical Venus

Ebenstein, Joanna

The Anatomical Venus


224 S., 366 vorwiegend farb. Abb., 24 cm
Thames & Hudson 2016
HL 29,95 EUR


Gerahmt von Rosenholz, unter original venezianischem Glas liegt im Florentiner Museum für Zoologie und Naturgeschichte 'La Specola' die 'Anatomische Venus' von Clemente Susini, ein perfektes Objekt, dessen luxuriös-bizarre Existenz den Betrachter frappiert. Es - sie? - wurde geschaffen, um menschliche Anatomie lehren zu können, ohne immer wieder aufs Neue unangenehme und ethisch fragwürdige Sektionen vornehmen zu müssen.

Die lebensgroße Frau aus Wachs schmücken Glasaugen und menschliches Haar. Ihr Körperinventar kann in alle Einzelteile zerlegt werden, bis ihre wächserne Gebärmutter schließlich einen selig lächelnden wächsernen Fötus preisgibt. Susinis 'Anatomische Venus' initierte eine Vielzahl ähnlicher 'Lehrkörper' in ganz Europa, die nicht nur Medizinern zur Erkenntnis verhalfen, sondern vor allem auch das schaulustige Jahrmarktspublikum faszinierten.

Dieses Buch, Folgeband von 'The Sick Rose' (2014) und 'Crucial Interventions' (2015), befasst sich mit weiblichen Wachsmodellen des 18. und 19. Jahrhunderts aus den anatomischen Sammlungen der Welt. Sie regen nicht nur dazu an, über die kategorischen Unterscheidungen zwischen Leben und Tod, Wissenschaft und Kunst, Körper und Seele, Erziehung und Spektakel, Kunst und Kitsch nachzudenken, sondern auch über die Unterschiede in der Darstellung männlicher und weiblicher Leichen: Wurden männliche Wachsmodelle vorwiegend in heroischen Posen erstellt - mit dem Tod ringend, ihm aufrecht entgegentretend, in Kampf oder Krampf niedergestreckt - so sieht man die weiblichen - ob gemeuchelt oder einem Leiden erlegen - stets jung und schön und oft geradezu wolllüstig hingegeben ans Sterben.